LimBUNT goes World Pride

Eine LimBUNT-Delegation hat am 01. August an der WorldPride in Amsterdam teilgenommen. Neben Robert Kleinmichel waren Daniela und Steffi Erkes mit von der Partie, die mittlerweile euopaweit mit anderen Pride-Organisator*innen vernetzt sind. Die Canal-Pride ist in Europa einzigartig und einer der Höhepunkte der diesjährigen WorldPride. Die European Pride Organizers Associtation (EPOA) hatte ihre Mitglieder dazu eingeladen, ihre jeweiligen Pride-Organisationen auf deren Boot zu vertreten. Ein kleiner Reisebericht von Robert Kleinmichel:

Am Freitag ging es für uns los. Nach etwa zweieinhalbstündiger Fahrt bezogen wir unser Lager auf einem Campingplatz in der Nähe von Amsterdam. Die Ruhe dort war Perfekt, denn am nächsten Tag sollte es bunt, laut und voll werden. Voller Vorfreude genossen wir also einen entspannten Sommerabend bei Puntjes und Heineken, schliefen uns aus und tankten die Akkus für den Tag in Amsterdam auf. Denn der sollte lang werden.

Samstag Morgen, 7 Uhr: Abfahrt! Mit einer prall gefüllten Pride-Playlist machten wir uns auf den Weg nach Amsterdam. Wir hatten eine Einladung von der EPOA erhalten, während der Canal Pride auf ihrem Boot mitzufahren. Die EPOA besteht aus über 100 Organisationen, die in mehr als 40 Ländern CSDs organisieren. LimBUNT ist eines der ca. 20 deutschen Mitgliedern. Da für uns die Vernetzung der Vereine untereinander von hoher Bedeutung ist, folgten wir der Einladung natürlich gerne.

Foto: Robert Kleinmichel

Am Schifffahrtsmuseum wurde unser Boot bestiegen. Mir fiel irgendwann auf, dass sich eine Menschentraube bildete. Da musste irgendjemand wichtiges angekommen sein. Unwichtig war er jedenfalls nicht. In der Mitte des Pulks erkannte ich, dass der niederländische Premierminister, Rob Jetten, händeschütteld und in Smartphones lächelnd versuchte, seinen Weg zu dem Boot zu machen, auf dem er an der Pride teilnehmen sollte. Schon verrückt, nur wenige Meter neben einem europäischen Regierungschef zu stehen. Aber es zeigt auch, wie unsere Community funktioniert. Keine Sonderbehandlung, sondern gemeinsam für die Sache. In unserem Kampf für Gleichstellung stehen wir halt dicht beieinander. Egal ob Vorsitzender einer Pride in einer hessischen Kleinstadt oder eben Regierungschef des Gastgeberlandes der WorldPride.

Um 12 Uhr war das Boot besteigen, das Lunchpaket verspeist und alle Teilnehmer*innen bereit für Pride. Fast pünktlich legten wir ab und schipperten unter der ersten Brücke hindurch. Auf das, was danach folgte, kann einen niemand vorbereiten. Ab dem ersten Meter säumten riesige Menschenmengen die Ufermauern und Fenster der angrenzenden Häuser. Es wurde gewunken, getanzt, gejubelt und skandiert.

Foto: Robert Kleinmichel

Das mulmige Gefühl, das uns nach dem schrecklichen Vorfall in Berlin alle begleitet hatte, war für einen Moment vergessen. Und ja, wir hatten alle Bedenken, vielleicht sogar Angst. Berlin war gerade eine Woche her. Die Trauer, die Wut und auch die Angst, dass es wieder passieren kann, begleiteten unseren gesamten Trip. Aber zu sehen, dass wirklich die gesamte Community sich nicht zurückzog, machte Mut. Das „Jetzt erst recht“ musste niemand aussprechen. Es war in allen Gesichtern zu sehen. Nachdem ich in der Woche zuvor ein Wechselbad der Gefühle durchlaufen hatte, packte mich auf den ersten Metern eine Gänsehaut. Und die blieb bis ich etwa drei Stunden später das Boot wieder verließ. Und genau das ist es, wovon ich noch Wochen nach einem CSD zehre.

Foto: Robert Kleinmichel

Genau 80 Boote nahmen in diesem Jahr an der Canal Pride teil und suchten ihren Weg durch die dicht gesäumten Grachten Amsterdams. Im Anschluss an die Pride machten wir uns auf den Weg zur Mainstage, die am zentralen Platz in Amsterdam – dem Dam – aufgebaut war. Was für eine Kulisse. Im Hintergrund der Bühne erhob sich das stattliche Königliche Palast. Wir verbrachten dort noch einige Stunden, bevor wir uns am Abend wieder auf den Weg zum Campingplatz machten.

Foto: Robert Kleinmichel

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